{"id":6893,"date":"2021-06-14T11:51:24","date_gmt":"2021-06-14T09:51:24","guid":{"rendered":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/?p=6893"},"modified":"2022-01-24T00:22:41","modified_gmt":"2022-01-23T23:22:41","slug":"warum-das-armenische-kulturerbe-die-ansprueche-aserbaidschans-auf-berg-karabach-gefaehrdet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/warum-das-armenische-kulturerbe-die-ansprueche-aserbaidschans-auf-berg-karabach-gefaehrdet\/","title":{"rendered":"Warum das armenische Kulturerbe die Anspr\u00fcche Aserbaidschans auf Berg-Karabach gef\u00e4hrdet"},"content":{"rendered":"<p><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left\" style=\"margin:0;\"><strong>Warum das armenische Kulturerbe die Anspr\u00fcche Aserbaidschans auf Berg-Karabach gef\u00e4hrdet<\/strong><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-four\"><h4 class=\"fusion-title-heading title-heading-left\" style=\"margin:0;\"><strong>Aserbaidschan f\u00e4hrt fort, die armenische Geschichte mithilfe einer verrufenen Theorie auszul\u00f6schen, wonach die christlichen St\u00e4tten der Region von einer mittlerweile ausgestorbenen Ethnie, den kaukasischen Albanern, errichtet wurden<\/strong><\/h4><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><hr \/>\n<p><strong>Yelena Ambartsumian \/ 12. Februar 2021 \/ erschienen in: <em>\u201eHyperallergic\u201c Sunday edition<\/em><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Gegen 3:00 Uhr am Morgen des 27. September summte mein Telefon mit Nachrichten, dass Aserbaidschan einen Luftangriff auf Berg-Karabach gestartet h\u00e4tte &#8211; eine gebirgige Binnenregion im S\u00fcdkaukasus, die von 150.000 ethnischen Armeniern bev\u00f6lkert und kontrolliert, aber von Aserbaidschan beansprucht wird. Berg-Karabach (auf Armenisch historisch \u201eArzach\u201c genannt) ist die Heimat einer der \u00e4ltesten indigenen christlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen der Welt, die \u00fcberlebt hat, obwohl ihre Geschichte um Jahrhunderte \u00e4lter ist als das Christentum. Seine raue und gebirgige Landschaft diente den fr\u00fchen Christen im 2. bis 4. Jahrhundert als Zufluchtsst\u00e4tte vor der Verfolgung und sp\u00e4ter als Bollwerk gegen die Islamisierung, die \u00fcber den Kaukasus hinwegfegte und die meisten Einwohner in den tiefergelegenen Ebenen im Osten Karabachs [zum Islam] konvertierte. Heute ist seine kulturelle Topografie dicht bedeckt mit Festungen \u00fcber den Schluchten, fein behauenen Kreuzstein-Monumenten mit alten Ewigkeitssymbolen und mit jahrhundertealten Kl\u00f6stern mit befestigten Mauern, die ein lebendiges Zeugnis von der st\u00e4ndigen Pr\u00e4senz der Armenier ablegen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6901\" style=\"width: 345px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6901\" class=\"wp-image-6901 \" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Kreuzsteine-in-Dadivank-400x600.jpg\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"503\" \/><p id=\"caption-attachment-6901\" class=\"wp-caption-text\"><em><span style=\"font-size: 10px;\">Die Chatschkare in Dadivank im Jahre 2015. Fotos von <strong>Yelena Ambartsumian<\/strong><\/span><\/em><\/p><\/div>\n<p>An diesem Sonntagmorgen wurde sowohl die Bev\u00f6lkerung als auch das kulturelle Erbe angegriffen. W\u00e4hrend der halb eingefrorene Konflikt in den letzten zwei Jahrzehnten viele Scharm\u00fctzel und Verst\u00f6\u00dfe gegen den Waffenstillstand gesehen hat, f\u00fchlte es sich diesmal anders an. In der Tat war es auch so. Meine Angeh\u00f6rigen machten umgehend mobil, um mit ihrer Verteidigungsarmee, ihre D\u00f6rfer zu besch\u00fctzen, w\u00e4hrend ihre Familien sich in Bunkern, Notunterk\u00fcnften und den dichten W\u00e4ldern\u00a0 versteckt hielten. Aber im Gegensatz zum Berg-Karabach-Krieg in den fr\u00fchen 1990er Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion &#8211; dem antiarmenische Pogrome in Baku, Aserbaidschan, (Link: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Baku_pogrom\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Baku_pogrom<\/a>) vorausgingen, was meine Familie und mich zu Fl\u00fcchtlingen machte, &#8211; mussten sich meine armenischen Mitb\u00fcrger nicht nur gegen die aserbaidschanischen Soldaten, die sich mit dem gebirgigen Charakter des Gebietes weniger auskennen, zur Wehr setzen, sondern auch gegen israelische und t\u00fcrkische Drohnen (Link: <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/turkish-and-israeli-drones-big-impact-on-nagorno-karabakh-conflict\/30896243.html\">https:\/\/www.rferl.org\/a\/turkish-and-israeli-drones-big-impact-on-nagorno-karabakh-conflict\/30896243.html<\/a> ), die sie von oben leicht treffen konnten, und gegen die islamistischen S\u00f6ldner aus Nord-Syrien (Link: <a href=\"https:\/\/www.opendemocracy.net\/en\/north-africa-west-asia\/what-are-syrian-mercenaries-doing-azerbaijan\/\">https:\/\/www.opendemocracy.net\/en\/north-africa-west-asia\/what-are-syrian-mercenaries-doing-azerbaijan\/<\/a> ) &#8211; das Alles mit der logistischen und taktischen Unterst\u00fctzung des ethnischen und milit\u00e4rischen B\u00fcndnispartners T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Am 07. Oktober schlief ich ein, w\u00e4hrend ich meine Fotos von Berg-Karabach durchbl\u00e4tterte. In dieser Nacht tr\u00e4umte ich davon, wie ich die Heilige Erl\u00f6ser-Kathedrale (Ghazantschezoz-Kathedrale) in Shushi (Link: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ghazanchetsots_Cathedral\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ghazanchetsots_Cathedral<\/a> ) aufsuchte und noch einmal in den kleinen, kreisf\u00f6rmigen Raum hinter dem Altar eintrat, wo man beten und seine Stimme 360\u00b0 um den eigenen K\u00f6rper h\u00f6ren kann. Ich schloss meine Augen und beschritt den Weg von der Kathedrale zur Seidenstra\u00dfe, die durch Shushi f\u00fchrt und auf der meine Ur-Ur-Gro\u00dfv\u00e4ter mit ihren Karawanen in den Iran und dar\u00fcber hinaus gezogen waren. Wir waren erst eine Woche im Krieg und ich sehnte mich nach Frieden und stellte mir bereits vor, wie ich beim Wiederaufbau von Berg-Karabach helfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-2\"><div id=\"attachment_6897\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6897\" class=\"wp-image-6897 size-fusion-800\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Gtitschavank_2015-800x533.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" \/><p id=\"caption-attachment-6897\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Der Altar von Gtitschavank im Jahr 2015, bedeckt von Streichholzschachteln und Schichten von Kerzenwachs, was darauf hindeutet, dass lokale armenische Christen die Kathedrale weiterhin aus frommen Anl\u00e4ssen aufsuchten, obwohl sie in der Sowjetzeit nicht instandgehalten worden war.<\/span><\/p><\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-2 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-3\"><p>R\u00fcckblickend waren diese Gedanken ein fantastischer Abwehrmechanismus. In Wirklichkeit war ich mir sehr wohl bewusst, dass vor genau 100 Jahren, im Jahre 1920, die Aserbaidschaner (oder vielmehr die kaukasischen Tataren, wie sie zu dieser Zeit noch allgemein genannt wurden) mit Hilfe ihrer ethnischen Bundesgenossen, den osmanischen T\u00fcrken &#8211; gerade erst nach ihrem V\u00f6lkermord an 1,5 Millionen Armeniern &#8211; jeden verbliebenen Armenier in Shushi ermordeten, 7.000 armenische H\u00e4user und Gesch\u00e4fte niederbrannten und die armenischen Kirchen der Stadt zerst\u00f6ren. Zu dieser Zeit war Arzach zu 90% armenisch, die territoriale Kontrolle \u00fcber die Region war jedoch im Fluss. Wegen der Anspr\u00fcche der kaukasischen Tataren auf die armenischen Gebiete, einschlie\u00dflich Arzach, Zangezur und Nachitschewan, lehnte der V\u00f6lkerbund im Dezember 1920 den Antrag der neu gegr\u00fcndeten Aserbaidschanischen Demokratischen Republik auf staatliche Anerkennung ab, mit der Begr\u00fcndung, dass es unm\u00f6glich ist, die genauen Grenzen des Gebiets zu definieren, \u00fcber das sie ihre Macht erstreckt.<\/p>\n<p>In der Tat entstanden in der Folgezeit nach der russischen Revolution mehrere Nationalstaaten im Transkaukasus und versuchten, ihre Grenzen zu definieren, was oft in interethnische Gewalt m\u00fcndete. Inmitten des Chaos dieser blutigen Nationenbildung versuchten die Briten, Deutschen\u00a0 und T\u00fcrken jeder f\u00fcr sich die ressourcenreiche Stadt Baku im heutigen Aserbaidschan und dessen \u00d6lreserven unter ihre Kontrolle zu bringen. (Zu diesem Zeitpunkt lebte meine Familie bereits in Baku und arbeitete in der \u00d6l- und Gasindustrie, wie viele andere Armenier aus Arzach). 1920 st\u00e4rkten die Sowjets ihren Einfluss auf Baku, was f\u00fcr die Energieversorgung der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung war. Mit Hilfe gewisser ethnisch armenischer Gruppen st\u00fcrzten die Bolschewiken die aserbaidschanische Demokratische Republik und ersetzten sie durch die neu gebildete Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik (\u201eSSR\u201c). Bald darauf, offensichtlich unter dem Druck der T\u00fcrkei und um die Aserbaidschanische SSR wohlzustimmen, schnitt Joseph Stalin Arzach vom Mutterland Armenien heraus und gliederte es in die neu gegr\u00fcndete und \u00f6lreiche Aserbaidschanische SSR ein. Als halbherziges Trostpflaster f\u00fcr die Armenier und wom\u00f6glich aus der Erkenntnis heraus, dass Arzach seit \u00fcber zweitausend Jahren zwar multiethnisch war, aber dennoch eine armenische Bev\u00f6lkerungsmehrheit hatte, wurde die Region zu einem autonomen, gr\u00f6\u00dftenteils selbstverwalteten Gebiet (das Autonome Gebiet von Berg-Karabach) mit Shushi als Verwaltungszentrum.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-3 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-2 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-4\"><div id=\"attachment_6910\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6910\" class=\"wp-image-6910\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Ghazantschezoz-Kathedrale-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"532\" \/><p id=\"caption-attachment-6910\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Nachdem die Armenier die Ghazantschezoz-Kathedrale im Karabach-Krieg der 1990er Jahre von den Aserbaidschanern zur\u00fcckerobert hatten, beschlossen sie, gewisse Elemente von der Zerst\u00f6rung der Kathedrale als Erinnerung f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen stehen zu lassen &#8211; einschlie\u00dflich dieses Beispiels, auf dem das Antlitz Jesu und der gr\u00f6\u00dfte Teil seines K\u00f6rpers herausgebrochen worden waren &#8211; vermutlich durch aserbaidschanische Bilderst\u00fcrmer (2015).<\/span><\/p><\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-4 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-3 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-5\"><p>Nach meinem Traum von der R\u00fcckkehr nach Shushi wachte ich am n\u00e4chsten Morgen, dem 8. Oktober, mit den Bildern der Ghazantschezoz-Kathedrale auf. Aserbaidschan hatte die historische Kathedrale von Shushi nicht ein, sondern zwei mal getroffen. Der zweite Treffer verletzte, den Berichten zufolge durch eine mit Raketen bewaffnete Drohne, drei Journalisten, die gekommen waren, um den Ort des ersten Einschlags zu dokumentieren. Da ich mehrere Male in Shushi gewesen war, begriff ich, dass dieser Treffer kein Zufall gewesen sein konnte. Das einzige Geb\u00e4ude in der N\u00e4he der Ghazantschezoz-Kathedrale ist ein Wohngeb\u00e4ude aus der Sowjetzeit. Es gab keine milit\u00e4rischen Ziele. Wie wir bald erfahren sollten, hatten M\u00fctter mit ihren Kindern im Keller der Kathedrale Zuflucht gesucht, um Schutz vor aserbaidschanischen Luftangriffen und Drohnenattacken zu finden. Aserbaidschan dementierte, die Kathedrale beschossen zu haben und bezeichnete solche Anschuldigungen als \u201efake news\u201c\u00a0 und \u201eschwarze Propaganda\u201c &#8211; wie es f\u00fcr sein autokratisches und totalit\u00e4res Regime \u00fcblich ist, wenn es nach seinen Kriegsverbrechen und Verletzungen der Menschenrechte gefragt wird. Derweil schaute ich mir am 9. Oktober 2020 im russischen Nachrichtenprogramm \u201eAbend mit Wladimir Solowjew\u201c an, wie eine russisch-aserbaidschanische Journalistin die Ansicht vertrat, dass der Angriff, sollte er stattgefunden haben, gerechtfertigt sei, weil dort armenische Soldaten die Ghazantschezoz-Kathedrale zum Gebet benutzten und Aserbaidschan diese armenischen \u201eTerroristen\u201c &#8211; in welcher \u201eToilette\u201c auch immer &#8211; ausl\u00f6schen m\u00fcsse (Link: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xox3PTSROEs&amp;t=418s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xox3PTSROEs&amp;t=418s<\/a> ). W\u00e4hrend Soldaten, die in einer Kirche beten, keine Rechtfertigung daf\u00fcr sein k\u00f6nnen, dass eine religi\u00f6se oder kulturelle St\u00e4tte nach internationalem Recht in ein milit\u00e4risches Objekt umfunktioniert wird, ist es ein beredtes Beispiel davon, wie das heutige despotische Aserbaidschan die Aserbaidschaner lehrt, die Armenier oder das armenische kulturelle und religi\u00f6se Erbe anzusehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6917\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6917\" class=\"wp-image-6917 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild3-1-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><p id=\"caption-attachment-6917\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Blick von der Ghazantschezoz-Kathedrale im Jahre 2010. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Der Krieg dauerte \u00fcber einen Monat. Fast t\u00e4glich erhielt ich von meinen Freunden vor Ort beunruhigende Nachrichten \u00fcber den offensichtlichen Einsatz von Streumunition in Wohngebieten, Enthauptungen und Verst\u00fcmmelungen von Kriegsgefangenen und gefangenen Zivilisten und den Einsatz von Brandbomben, die in dichten W\u00e4ldern von Berg-Karabach au\u00dferhalb des Dorfes Nngi, dem Heimatdorf meiner m\u00fctterlichen Linie, niedergingen &#8211; begleitet von Videoaufnahmen in den Sozialmedia-Kan\u00e4len \u2013 nur damit die meisten Nachrichtenkan\u00e4le und zahlreichen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen \u201ebeide Seiten\u201c aufrufen, die Feindseligkeiten zu beenden, oder schlimmer noch, um die unbegr\u00fcndeten und unlogischen Anschuldigungen des aserbaidschanischen Regimes (unterst\u00fctzt und wiederholt von t\u00fcrkischen offiziellen Stellen und Medien) zu wiederholen, es seien ethnische Armenier, die hinter solchen Verbrechen und \u201eProvokationen\u201c stecken w\u00fcrden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-4 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-6\"><p>Am 10. November stimmten Armenien und Aserbaidschan einem von Russland vermittelten Waffenstillstand zu (das Dreierabkommen), welcher zwei Drittel von Berg-Karabach, einschlie\u00dflich Shushi, Aserbaidschan \u00fcberlie\u00df und eine Pr\u00e4senz von russischen Friedenstruppen in der Region auf Widerruf willkommen hie\u00df. Die Parallelen zwischen dem heutigen Konflikt und dem, was vor hundert Jahren geschah, konnten nicht deutlicher sein. Die einzige neue Dimension war jedoch die Macht der sozialen Medien &#8211; dar\u00fcber, wie wir unsere Informationen \u00fcber das Geschehen am Boden bekamen und wie das aserbaidschanische Regime die Desinformationen ausstreute, an die die internationale Gemeinschaft glauben sollte.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem Waffenstillstand nutzten aserbaidschanische Politiker Twitter (die Sozialmedia-Plattform ihrer Wahl), um ihren Sieg bei der \u201eBefreiung\u201c von Berg-Karabach zu erkl\u00e4ren (unabh\u00e4ngig davon, dass Berg-Karabach zu keinem Zeitpunkt von einem postsowjetischen unabh\u00e4ngigen Aserbaidschan regiert worden war) und um die haltlose Theorie zu vertreten, dass die jahrhundertealten religi\u00f6sen St\u00e4tten nicht armenisch, sondern allesamt kaukasisch-albanisch seien (eine Stammesf\u00f6deration aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und sp\u00e4ter ein K\u00f6nigreich im Kaukasus, welches sie als proto-aserbaidschanisch und als Ureinwohner von Berg-Karabach ansehen &#8211; eine Behauptung, die von keinem ernsthaften Gelehrten unterst\u00fctzt wird). Dieser revisionistischen aserbaidschanischen Sozialmedia-Aktivit\u00e4t wurde von Institutionen, wie dem Metropolitan Museum of Art, als auch von internationalen Gelehrten in einem offenen Brief mit einem zeitgleichen Appell begegnet, das armenische kulturelle Erbe zu bewahren &#8211; es kam sogar zu einer pers\u00f6nlichen Warnung des russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin an Aserbaidschan, dass die christlichen St\u00e4tten gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich war vor einigen Jahren auf die kaukasisch-albanischen Behauptungen von Aserbaidschan gesto\u00dfen, als ich untersuchte, welche Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr das armenische kulturelle Erbe in Berg-Karabach unter aserbaidschanischer Kontrolle nach internationalem Recht \u00fcberhaupt bestehen w\u00fcrden. Das war besonders wichtig, da die Armenische Republik von Arzach, in welcher sich das kulturelle Erbe (bis zum trilateralen Abkommen) befand, eine Republik ist, die von keinem anderen Land anerkannt wird, was ein Problem zum internationalen Schutz dieses Erbes darstellt, da die meisten zwischenstaatlichen Organisationen auf dem Prinzip der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t aufgebaut sind &#8211; anstelle der Rechtstaatlichkeit. Zu dem Zeitpunkt glaubte ich, dass, wenn die Verhandlungen unter der Aufsicht der Minsker Gruppe der OSZE nach f\u00fcnfundzwanzig Jahren scheitern und ein neuer Krieg ausbricht, Aserbaidschan erneut absichtlich das kulturelle und religi\u00f6se Erbe ungestraft angreifen w\u00fcrde, wie es im Karabach-Krieg der 1990er Jahre der Fall war. Die kaukasisch-albanische Behauptung ist jedoch eine Bedrohung f\u00fcr das armenische Kulturerbe <em>in Friedenszeiten<\/em> &#8211; oder in anderen Worten, wenn sich das armenische kulturelle Erbe &#8211; wie auch immer &#8211; innerhalb der Grenzen von Aserbaidschan befindet. Und leider gibt es im V\u00f6lkerrecht keinen formellen Mechanismus, der diese St\u00e4tten vor der absichtlichen Zerst\u00f6rung Aserbaidschans sch\u00fctzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_6921\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6921\" class=\"wp-image-6921\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild4.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"525\" \/><p id=\"caption-attachment-6921\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">\u00dcberreste der Zerst\u00f6rungen an der Au\u00dfenfassade von Gandzasar durch aserbaidschanische Luftangriffe in den 1990er Jahren sind bis heute sichtbar (2010).<\/span><\/p><\/div>\n<p>Solange Aserbaidschan Anspruch auf Berg-Karabach erhebt, sind die armenischen Kulturerbest\u00e4tten in der Region stark gef\u00e4hrdet. Weil diese St\u00e4tten dem Konzept einer aserbaidschanischen nationalen Identit\u00e4t zeitlich um \u00fcber ein Jahrtausend (bei einigen F\u00e4llen sogar um zwei Jahrtausende) vorausliegen, weil viele von ihnen sogar der vorherrschenden Religion Aserbaidschans, dem Islam, zeitlich um Jahrhunderte vorausliegen, und weil sie dem Erscheinen der ethnischen Vorfahren der Aserbaidschaner, den t\u00fcrkischen St\u00e4mmen aus Zentralasien, zeitlich vorausliegen, gef\u00e4hrdet ihre Existenz und konterkariert in direkter Weise die historischen Anspr\u00fcche Aserbaidschans auf diese Region.<\/p>\n<p>Aserbaidschan f\u00fchrt sein kaukasisch-albanisches Argument ins Feld, um sich dadurch an eine vergangene christliche Zivilisation im S\u00fcdkaukasus zu binden, mit der Absicht, eine aktuell existierende loszuwerden. Ungeachtet der Propagierung der Idee, dass das armenische Kulturerbe kaukasisch-albanisch und somit proto-aserbaidschanisch sei, wie es f\u00fcr andere Regionen gilt, hielten derartige Behauptungen Aserbaidschan nicht davon ab, sowohl das bewegliche als auch unbewegliche armenische kulturelle Erbe innerhalb der sich wechselnden Grenzen Aserbaidschans zu zerst\u00f6ren. (Aserbaidschans j\u00fcngste Zerst\u00f6rung von 89 armenischen Kirchen und Tausenden von mittelalterlichen Kreuzsteinen, genannt Chatschkare, und armenischen Grabsteinen in der Exklave von Nachitschewan \u2013 wie in \u201eHyperallergic\u201c berichtet \u2013 (Link: <a href=\"https:\/\/hyperallergic.com\/482353\/a-regime-conceals-its-erasure-of-indigenous-armenian-culture\/\">https:\/\/hyperallergic.com\/482353\/a-regime-conceals-its-erasure-of-indigenous-armenian-culture\/<\/a>) ist ein eklatantes Beispiel). \u00dcberdies hat Aserbaidschan, obwohl es die christlichen religi\u00f6sen St\u00e4tten in Berg-Karabach als proto-aserbaidschanisch f\u00fcr sich reklamiert, keine der Hunderte von Kirchen oder Denkm\u00e4lern in Berg-Karabach f\u00fcr die Liste der UNESCO-Weltkulturerbest\u00e4tten nominiert. Es hat indes eine Festung in Shushi nominiert. (Armenien kann keine St\u00e4tten benennen, da die Vereinten Nationen Berg-Karabach als eine Region innerhalb Aserbaidschans ansehen &#8211; trotz der historischen Autonomie von Berg-Karabach zur Sowjetzeit und den sp\u00e4teren Referenden der Bev\u00f6lkerung \u00fcber Selbstbestimmung\u00a0 w\u00e4hrend des Zerfalls der Sowjetunion).<\/p>\n<p>Die Bedingungen des Dreierabkommens sehen vor, dass ethnische Armenier mehrere Bezirke in Berg-Karabach aufgeben m\u00fcssen, einschlie\u00dflich der Region Agdam, in der die teilweise freigelegten \u00dcberreste der armenischen Stadt Tigranakert aus dem 2. Jahrhundert vor Christus liegen (bei der letzten Aggression ebenfalls durch Aserbaidschan bombardiert), die Region Latschin (Kaschatagh auf Armenisch), welche die armenische Kirche und das ehemalige Kloster Tsitsernavank beherbergt und den Bezirk Kalbajar (Karvachar auf Armenisch), welche mehrere Juwelen des armenischen religi\u00f6sen Erbes beherbergt. Im Jahre 2015 erhielt ich ein Forschungsstipendium der US-amerikanischen National Association for Armenian Studies and Research (NAASR) und machte mich auf den Weg, die kaukasisch-albanischen Anspr\u00fcche auf drei Kirchen zu untersuchen, die im 13. Jahrhundert gegr\u00fcndet oder renoviert worden waren &#8211; innerhalb der Klosterkomplexe von Dadivank und Gandzasar im Bezirk Kalbajar und Gtitschavank in Hadrut. Nach dem Dreierabkommen stehen die meisten dieser Kl\u00f6ster nun unter aserbaidschanischer Kontrolle und aus Gr\u00fcnden, die ich nachstehend darlegen werde, sind alle drei der Gefahr der kulturellen Ausl\u00f6schung, wenn nicht sogar der vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung durch Aserbaidschan ausgesetzt.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-5 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-7\"><p>Die Armenier sind seit \u00fcber zwei Jahrtausenden st\u00e4ndig in Arzach pr\u00e4sent. 189 v. Chr. wurde die Region Berg-Karabach (damals \u201eArzach\u201c genannt) unter dem armenischen K\u00f6nig Artasches zu einer der 15 Provinzen des armenischen K\u00f6nigreiches. Zwei der zw\u00f6lf Apostel Christi (St. Thaddeus und St. Bartholomeus) waren die ersten Bekehrer der Armenier und erlitten im 1. Jahrhundert n. Chr. den M\u00e4rtyrertod. Das Christentum verbreitete sich jedoch weiterhin in der gesamten Region \u2013 dank der Bem\u00fchungen des Hl. Gregor des Erleuchters, eines armenisch-parthischen Adligen, der in Kappadokien (in der heutigen T\u00fcrkei) aufgewachsen war. Um 301 n. Chr. machte K\u00f6nig Trdat III. das Christentum zur offiziellen Religion des K\u00f6nigreiches Armenien.<\/p>\n<div id=\"attachment_6925\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6925\" class=\"wp-image-6925 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild5-400x249.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"249\" \/><p id=\"caption-attachment-6925\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Karte des K\u00f6nigreiches Kaukasisch-Albanien \u2013 im Verh\u00e4ltnis zum K\u00f6nigreich Armenien im Jahre 387 n. Chr., bevor die armenischen Provinzen Arzach, Utik und Siunik mit dieser Region verschmolzen wurden, um unter den Sassaniden die Provinz Neu-Albanien zu bilden. Aus: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/c9\/Aghuank.jpg<\/span><\/p><\/div>\n<p>Im Jahre 387 n. Chr. teilten das byzantinische und das sassanidische Reich das K\u00f6nigreich Armenien unter sich auf, mit der Folge, dass Arzach sp\u00e4ter, im Jahre 428, Teil der persischen Provinz Neu-Albanien wurde. Diese Provinz umfasste die armenischen Provinzen Arzach, Utik und Siunik sowie die Region Albanien, die von kaukasischen Albanern bewohnt wurde. Trotz der erfolglosen Kampagne der Sassaniden zur erzwungenen Assimilation behielten die lokalen Prinzen Neu-Albaniens ihre Autonomie weitgehend bei. W\u00e4hrend dieser Periode der Autonomie erfand Mesrop Maschtoz das armenische Alphabet und gr\u00fcndete die erste armenische Sprachschule im Kloster Amaras (Link: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Amaras_Monastery\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Amaras_Monastery<\/a>) in Neu-Albanien. (Maschtoz erschuf sp\u00e4ter ein Alphabet f\u00fcr die kaukasischen Albaner). (Link: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Caucasian_Albanian_script\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Caucasian_Albanian_script<\/a>).<\/p>\n<p>Die Erschaffung des armenischen Alphabets im fr\u00fchen 5. Jhdt. trug dazu bei, die armenische Kultur zu homogenisieren, da sie den Kirchen die M\u00f6glichkeit gab, ihre Liturgie schlie\u00dflich auf Armenisch und nicht wie bisher auf Griechisch oder Syrisch abzuhalten. Mit einem Alphabet konnten sich die Armenier von den umliegenden V\u00f6lkern unterscheiden und ihre eigene Kultur und Identit\u00e4t bewahren, trotz zahlreicher sp\u00e4terer Versuche von Imperien und Invasoren, sie zu unterwerfen und zu assimilieren. Die Trennung der armenisch-apostolischen Kirche von Byzanz nach der Ablehnung des Konzils von Chalcedon spielte eine wichtige Rolle bei der Auffassung der Armenier von ihrer inh\u00e4renten Einzigartigkeit.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Jahrhunderten kam es zu mehreren Migrationswellen durch Arzach, einschlie\u00dflich der Araber, seldschukischen T\u00fcrken und Mongolen. Die Araber kamen im 7. Jahrhundert an, usurpierten die sassanidische Pr\u00e4senz in der Region und herrschten dort bis zum 10. Jahrhundert. Obwohl die Araber viele Einwohner Transkaukasiens zum Islam konvertierten, gelang es ihnen nicht den religi\u00f6sen Charakter der meisten ethnischen Armenier zu \u00e4ndern. In der <em>\u201eGeschichte der Albaner\u201c<\/em> erkl\u00e4rt Movses Daskhurantsi im 10. Jahrhundert, wie sich die armenischen und kaukasisch-albanischen Adelsfamilien oft durch Mischehen verb\u00fcndeten, um gegen die Araber zu k\u00e4mpfen. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts gab es keinen Unterschied mehr zwischen den armenischen und kaukasisch-albanischen Einwohnern Neu-Albaniens. Tats\u00e4chlich wurde der F\u00fcrst von Albanien am Ende der Chroniken von Daskhurantsi als \u201eAbu Ali, der geb\u00fcrtige Armenier\u201c, Bruder des armenischen K\u00f6nigs Smbat, bezeichnet.<\/p>\n<p>Im 11. Jahrhundert fielen t\u00fcrkische St\u00e4mme aus Zentralasien ein und gr\u00fcndeten 1071 das seldschukische Reich. Viele Historiker argumentieren, dass das wichtigste Erbe der seldschukischen T\u00fcrken die Sprache sei, da die t\u00fcrkische Sprache dazu f\u00fchrte, dass viele halbnomadische St\u00e4mme in Transkaukasien sich trotz fehlender t\u00fcrkischer Ethnizit\u00e4t als T\u00fcrken identifizierten. Gegen Ende des Jahrhunderts erlangten die Christen jedoch ihre Unabh\u00e4ngigkeit zur\u00fcck und die armenischen F\u00fcrsten \u00fcbernahmen die Kontrolle \u00fcber die Region. Das 12. Jahrhundert leitete eine Periode feudaler F\u00fcrstent\u00fcmer ein, welche zum Bau vieler Klostergr\u00fcndungen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Als die Mongolen im Jahre 1235 in die Region einfielen, zerst\u00f6rten sie einen Gro\u00dfteil Transkaukasiens und siedelten halbnomadische t\u00fcrkische und kurdische Hilfstruppen in der Region an, was dazu f\u00fchrte, dass mehrere armenische F\u00fcrstenfamilien entweder vernichtet oder ins Exil geschickt wurden. Die Einfl\u00fcsse der t\u00fcrkischen Sprache vertieften sich mit der Ankunft der Oghuz-T\u00fcrken, die im Jahre 1299 das Osmanische Reich gr\u00fcndeten und nach zwei erfolgreichen Kriegen gegen die Perser und den safawidischen Iran Anfang des 16. Jahrhunderts ihre Pr\u00e4senz in der Region festigten. Diese Gebietsgewinne dauerten jedoch kaum mehr als ein Jahrhundert an. Bald betrat Russland die\u00a0 Szene, was zu einem Dreikampf zwischen der ottomanischen T\u00fcrkei, dem kaiserlichen Russland und dem safawidischen Iran um die Region f\u00fchrte.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-6 fusion_builder_column_1_2 1_2 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:50%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:3.84%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:3.84%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-8\"><div id=\"attachment_6929\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6929\" class=\"wp-image-6929 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild6-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><p id=\"caption-attachment-6929\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Das Kloster Amaras ist neben seiner Eigenschaft als erste armenische Sprachschule auch die Beherbergungsst\u00e4tte des Grabes des Hl. Grigoris, des Enkels des Hl. Gregor des Erleuchters und Katholikos von Neu-Albanien. Amaras wurde im 13. Jahrhundert von den Mongolen gepl\u00fcndert und 1387 durch die Feldz\u00fcge von Tamerlan, des \u201eSchwertes des Islam\u201c, entweiht, im 16. Jahrhundert erneut zerst\u00f6rt, nur um im 17. Jahrhundert mit einer befestigter Mauer wiederaufgebaut zu werden. Sp\u00e4ter aufgegeben und danach von den zaristisch russischen Truppen als Grenzfestung benutzt. Danach wiederaufgebaut und mit den Spenden der Armenier aus der Stadt Shushi 1858 wieder als Kirche eingeweiht. Dieses Foto wurde 2015 aufgenommen.<\/span><\/p><\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-7 fusion_builder_column_1_2 1_2 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:50%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:3.84%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:3.84%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-9\"><div id=\"attachment_6933\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6933\" class=\"wp-image-6933\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild7-400x600.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"525\" \/><p id=\"caption-attachment-6933\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Eine andere Ansicht der Krypta von Amaras, 2015.<\/span><\/p><\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-8 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-10\"><p>Im Gegensatz zur gr\u00f6\u00dftenteils homogenen Selbstidentit\u00e4t der Armenier entwickelte sich die aserbaidschanische Identit\u00e4t erst vor kurzem und hat ein oberfl\u00e4chliches Erscheinungsbild. Die Verweise auf diese t\u00fcrkischsprachige Bev\u00f6lkerung als \u201eAserbaidschaner\u201c oder als \u201eAseri\u201c kamen erst im fr\u00fchen 20. Jahrhundert auf, als 1918 die kurzlebige aserbaidschanische demokratische Republik gegr\u00fcndet wurde. Zuvor wurde die Bev\u00f6lkerung als \u201ekaukasische Tataren\u201c oder einfach als \u201eTataren\u201c bezeichnet. Im Gegensatz zu den Armeniern, die eine eigene Sprache, ein eigenes Alphabet und eine eigene Religion hatten, schauten die Aserbaidschaner nach Au\u00dfen und identifizierten sich einerseits sprachlich und ethnisch mit den T\u00fcrken und andererseits religi\u00f6s &#8211; aufgrund ihres schiitisch-muslimischen Glaubens &#8211; mit den Iranern. Diese Aufteilung zwischen der t\u00fcrkischen und der persischen Welt d\u00fcrfte m\u00f6glicherweise dazu beigetragen haben, ein ausgepr\u00e4gtes aserbaidschanisches nationales bzw. ethnisches Bewusstsein zu entwickeln.<\/p>\n<p>Die Anspr\u00fcche der kaukasischen Tataren auf Berg-Karabach datieren aus dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert, als die Russen 1868 bei der Gr\u00fcndung des Gouvernements Elisabethpol (Link: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Elisabethpol_Governorate\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Elisabethpol_Governorate<\/a>) Karabach den Ebenen im Osten angliederten, in denen diverse halb-nomadische Hirtenv\u00f6lker wie kaukasische Tataren, Talyschen, Taten und Lesgier lebten. Diese territoriale Reorganisation f\u00fchrte im 20. Jahrhundert zu konkurrierenden Anspr\u00fcchen zwischen Armenien und Aserbaidschan auf Berg-Karabach, was durch die Entscheidung von Joseph Stalin, die Entscheidung des Kaukasischen B\u00fcros der KPdSU au\u00dfer Kraft zu setzen und das autonome Gebiet von Berg-Karabach nicht der armenischen SSR, sondern der neu geschaffenen aserbaidschanischen SSR anzugliedern, noch mehr versch\u00e4rft wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_6937\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6937\" class=\"wp-image-6937 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild8-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild8-200x133.jpg 200w, https:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild8-300x200.jpg 300w, https:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild8-400x266.jpg 400w, https:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild8.jpg 454w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-6937\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Der Blick von Shushi aus. 2010.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u00fcbte das Konzept des Pan-T\u00fcrkismus einen gro\u00dfen Einfluss auf die Selbstidentit\u00e4t der Aserbaidschaner aus. Der Pan-T\u00fcrkismus, der sich w\u00e4hrend des Niedergangs des Osmanischen Reiches ausbreitete, propagierte die Vereinigung aller t\u00fcrkischen V\u00f6lker vom Balkan bis nach West-China, wobei Armenien das einzige geographische Hindernis ist, das eine vereinigte t\u00fcrkische Welt voneinander trennt. Dar\u00fcber hinaus begannen die Armenier nach dem Einmarsch der \u201ekaukasischen Islamarmee\u201c der Osmanen im Kaukasus gegen Ende des 1. Weltkrieges, um die Anspr\u00fcche der Aserbaidschaner auf Berg-Karabach zu unterst\u00fctzen, die kaukasischen Tataren mit den Osmanen und Jungt\u00fcrken gleichzusetzen, die in den Jahren 1895-1896 Massaker an den Armeniern und 1915 den V\u00f6lkermord an den Armeniern begangen hatten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellte die Pr\u00e4senz der armenischen Kulturst\u00e4tten, die dem Auftauchen der kaukasischen Tataren in der Region um mehrere Jahrhunderte vorausliegen, ein Problem f\u00fcr die territorialen Anspr\u00fcche Aserbaidschans dar, da sie die so genannten historischen Rechte Aserbaidschans auf Berg-Karabach unterminieren. Obwohl niemand bestreiten w\u00fcrde, dass in Transkaukasien viele ethnische Gruppen lebten und zu dessen facettenreichen kulturellen Landschaft beitrugen, ist es schwer zu glauben, dass die Aserbaidschaner, deren Identit\u00e4t durch die Annahme des Islams gepr\u00e4gt wurde, die Erben von christlichen Kulturst\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Als ethnische Armenier begannen, ihre Rechte auf Selbstbestimmung auszu\u00fcben und die armenische Bev\u00f6lkerungsmehrheit von Berg-Karabach im Einklang mit der sowjetischen Verfassung ihre Forderung artikulierte, aus der aserbaidschanischen SSR auszutreten, verlangten die ohnehin schwachen Verbindungen Aserbaidschans zu Berg-Karabach nach einem starken Argument.<\/p>\n<p>Zu den Argumenten \u00fcber die kaukasisch-albanische Historiographie: Die kaukasisch-albanische Historiographie, welche eine direkte Verbindung zwischen den heutigen Aserbaidschanern und dem verschwundenen Volk der kaukasischen Albaner beansprucht, hat ihre Wurzeln im Jahre 1947, als eine Gruppe von aserbaidschanischen Arch\u00e4ologen in der aserbaidschanischen SSR \u00dcberreste von kaukasisch-albanischen Inschriften entdeckte. Die Verbindung der Aserbaidschaner mit den ausgestorbenen kaukasischen Albanern war ein zul\u00e4ssiges Mittel, um eine nationale Identit\u00e4t innerhalb der Sowjetunion zu konstruieren. Dies ermutigte die Wissenschaftler, sich mit der Geschichte zu befassen, um die Schaffung von Sowjetrepubliken und ihre Grenzen zu legitimieren, was jedoch die muslimische, t\u00fcrkische und iranische Assoziierung Aserbaidschans einer Kritik unterziehen w\u00fcrde. 1965 ver\u00f6ffentlichte Ziya B\u00fcnyadov, der Vater der aserbaidschanischen Geschichtsschreibung, ein Buch \u00fcber Kaukasisch-Albanien w\u00e4hrend der arabischen Periode, mit dem Titel <em>\u201eAserbaidschan im 7. bis 9. Jahrhundert\u201c<\/em>. Neben mehreren dubiosen Behauptungen, die die Grundlagen seiner Konstruktion einer aserbaidschanischen nationalen Identit\u00e4t bilden, behauptete B\u00fcnyadov, dass die <em>\u201eGeschichte der Albaner\u201c<\/em> von Movses Daskhurantsi aus dem 10. Jahrhundert urspr\u00fcnglich in Kaukasisch-Albanisch (nicht Armenisch) verfasst worden und sp\u00e4ter ins Armenische \u00fcbersetzt und vernichtet worden sei, obwohl keine Beweise f\u00fcr seine Behauptungen existieren und mehrere Wissenschaftler sp\u00e4ter aufzeigten, dass B\u00fcnyadov seine \u00dcbersetzungen verf\u00e4lschte, indem er die armenische Herkunft von Daskhurantsi und vieler historischer Figuren, die eindeutig als Armenier beschrieben wurden, auslie\u00df. B\u00fcnyadov theoretisierte auch, dass die armenischen F\u00fcrsten von Berg-Karabach, wie die Beglarian und Hasan Jalal &#8211; deren Namen man auf den Gr\u00fcndungsinschriften vieler armenischer Kathedralen finden kann &#8211; keine ethnischen Armenier, sondern armenisierte Albaner seien.<\/p>\n<p>1986 argumentierte Farida D. Mamedova, eine Sch\u00fclerin von B\u00fcnyadov, dass die geographischen und politischen Grenzen von Kaukasisch-Albanien weit ausgedehnter gewesen seien als vorher angenommen. Mamedova stellte die kaukasischen Albaner als eine integrierte ethnische Gruppe dar, und argumentierte, dass das mittelalterliche Berg-Karabach nicht armenisch gewesen sei und dass der Heilige Mesrop Maschtoz (der Sch\u00f6pfer des armenischen Alphabets) nicht das armenische Alphabet erschuf, sondern lediglich das kaukasisch-albanische reformierte. Weiterhin argumentierte sie, dass die kaukasisch-albanische Kirche Jahrhunderte lang von der armenischen Kirche unabh\u00e4ngig gewesen und erst nach der arabischen Eroberung der armenischen Kirche unterstellt worden sei.<\/p>\n<p>In klaren Worten: es war die Intention von B\u00fcnyadov und Mamedova jegliche Verbindung zwischen den untergegangenen kaukasischen Albanern und den heutigen Armeniern zu negieren und zugleich f\u00fcr die Aserbaidschaner eine alte indigene, wenngleich christliche, Vergangenheit zu beanspruchen. Obwohl fast jeder nicht-aserbaidschanische Historiker, der mit dem Thema in Ber\u00fchrung kam, die Gelehrsamkeit von B\u00fcnyadov und Mamedova schwer in Frage stellte, hat ihre revisionistische M\u00e4rchenwelt es geschafft, im Bewusstsein der heutigen Aserbaidschaner die Auffassung zu verankern, dass nicht die Armenier, sondern die kaukasischen Tataren die Nachfahren der christlichen kaukasischen Albaner und &#8211; in der weiteren Betrachtung &#8211; die rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmer von Berg-Karabach seien.<\/p>\n<p>Obwohl es in Arzach eine Koexistenz zwischen Armeniern und kaukasischen Albanern gab, wie der tiefe religi\u00f6se Austausch zwischen ihnen zeigte, versucht die aserbaidschanische Geschichtsschreibung \u00fcber Kaukasisch-Albanien jeglichen Bezug auf Neu-Albanien, Albanien oder \u201eAghvank\u201c in Armenisch auf Kaukasisch-Albanien zu beziehen, um die armenische Pr\u00e4senz in der Region zu verschleiern. In \u00e4hnlicher Weise soll die Behauptung, dass viele armenische F\u00fcrsten keine Armenier gewesen seien, dazu verleiten, all das, was die zeitgen\u00f6ssischen Historiker \u00fcber diese Prinzen schrieben, in Zweifel zu ziehen. Zum Beispiel soll man glauben, dass der Titel von Hasan Jalal als \u201eF\u00fcrst von Armenien\u201c lediglich dem Namen nach w\u00e4re und seine ethnische Zugeh\u00f6rigkeit praktisch nicht wiederspiegeln w\u00fcrde. W\u00e4hrend zudem armenische und kaukasisch-albanische F\u00fcrsten sich &#8211; oft durch Mischehen &#8211; miteinander verb\u00fcndeten, um gegen die Araber zu k\u00e4mpfen, war gegen Ende der Chroniken von Daskhurantsi aus dem 10. Jahrhundert der F\u00fcrst von Albanien \u201eAbu Ali, der geb\u00fcrtige Armenier\u201c, der Bruder des armenischen K\u00f6nigs Smbat &#8211; was bedeutete, dass in Berg-Karabach armenische und albanische Identit\u00e4ten miteinander verschmolzen waren.<\/p>\n<p>Die neuere aserbaidschanische Geschichtsschreibung hat die Armenier noch weiter aus ihrer Heimat vertrieben und behauptet, die Russen und Iraner h\u00e4tten die Armenier im fr\u00fchen 19. Jahrhundert in bestimmten Teilen des heutigen Armeniens &#8211; wie z.B. in der Hauptstadt Yerevan &#8211; und in Berg-Karabach angesiedelt. Aserbaidschanische Wissenschaftler untermauern derartige Anspr\u00fcche mit liederlichen Hinweisen auf die russischen Volksz\u00e4hlungen und verschaffen f\u00fcr sich einen Mantel der Glaubw\u00fcrdigkeit, indem sie angesehene Akademiker wie George A. Bournoutian zitieren, was deren Werk pervertiert, w\u00e4hrend aserbaidschanische Staatsbeamte auf h\u00f6chster Ebene postulieren, dass gro\u00dfe Teile Armeniens wie Yerevan, Sewan und Zangezur \u201ehistorische\u201c aserbaidschanische Gebiete seien.<\/p>\n<p>Was bedeuten die kaukasisch-albanischen Behauptungen f\u00fcr das kulturelle Erbe von Berg-Karabach und warum bef\u00fcrchten viele Wissenschaftler, dass diese St\u00e4tten der \u201ekulturellen Ausl\u00f6schung\u201c ausgesetzt sind? Zun\u00e4chst einmal wird dies wohl bedeuten, dass alle Elemente an diesen St\u00e4tten, die einzigartige oder charakteristisch armenische Merkmale aufweisen &#8211; die man nicht als kaukasisch-albanisch ausgeben kann &#8211; zerst\u00f6rt werden. Dies umfasst Folgendes:<\/p>\n<p><strong>1. Kuppel:<\/strong> Die meisten armenischen Kathedralen in der Region, einschlie\u00dflich derer in den Klosteranlagen von Dadivank, Gandzasar und Gtitschavank weisen \u00e4hnliche architektonische Merkmale auf wie die Kathedrale von Etschmiadzin in Armenien (Link: https:\/\/armenianchurch.us\/etchmiadzin\/), welche der heilige Muttersitz der armenisch-apostolischen Kirche und eine der \u00e4ltesten Kirchen in der Welt ist. Zu diesen architektonischen Merkmalen geh\u00f6rt ein kreuzf\u00f6rmiger Grundriss mit einer abgerundeten und spitzen Haube (d.h. der Kuppel) gekr\u00f6nt wird. Die Kuppel ist eines der bekanntesten Merkmale der armenischen sakralen Orte. Von der aserbaidschanisch kontrollierten Stadt Shushi sehen wir bereits Fotos von der Zerst\u00f6rung der als \u201eKanach Zham\u201c (Gr\u00fcne Kapelle) bekannten armenischen Kirche Hl. Johannes der T\u00e4ufer durch die Aserbaidschaner nach dem Waffenstillstand durch die Entfernung ihrer Kuppel. (Link: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SaschaDueerkop\/status\/1329760278796513283\">https:\/\/twitter.com\/SaschaDueerkop\/status\/1329760278796513283<\/a>). Getreu ihrer revisionistischen Taktik behauptet Aserbaidschan ohne jegliche Grundlage, dass die Kirche Kanach Zham aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert nicht armenisch, sondern russisch-orthodox sei.<\/p>\n<div id=\"attachment_6941\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6941\" class=\"wp-image-6941 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild9-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><p id=\"caption-attachment-6941\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Gtichavank in Hadrut wurde vor der j\u00fcngsten Aggression Aserbaidschans umfassend restauriert (2015). Diese Kathedrale steht jetzt unter aserbaidschanischer Kontrolle.<\/span><\/p><\/div>\n<p><strong>2. Gr\u00fcndungsinschriften und Stifterfiguren:<\/strong> Zwei weitere charakteristische Elemente des armenischen Kulturerbes sind die Inschriften, welche die Gr\u00fcndung der Kirche erl\u00e4utern sowie die begleitenden Figuren der Kirchenstifter. Stifterfiguren sind an den armenischen Kirchen in der Region besonders einzigartig (Link: <a href=\"https:\/\/edoc.hu-berlin.de\/bitstream\/handle\/18452\/8347\/carile.pdf\">https:\/\/edoc.hu-berlin.de\/bitstream\/handle\/18452\/8347\/carile.pdf<\/a>), von denen die bemerkenswertesten im 9. und 10. Jahrhundert von der Dynastie der Bagratiden geschaffen wurden und typischerweise ein Model der Kirche in den H\u00e4nden ihres Stifters darstellen. Als solche sind die Inschriften und Stifterfiguren die problematischsten Elemente f\u00fcr die aserbaidschanischen Behauptungen, die armenischen Kirchen seien kaukasisch-albanisch, weil die Inschriften in armenischer Schrift eingraviert sind und die Stifterfiguren armenische Adlige dokumentieren und darstellen, die die Kathedralen in Auftrag gaben und Land f\u00fcr den Bau der Klosteranlagen zur Verf\u00fcgung stellten. Der aserbaidschanische Revisionismus macht wiederum ohne jegliche Basis geltend, dass diese Inschriften Jahrhunderte sp\u00e4ter von den Armeniern hinzugef\u00fcgt wurden, um die kaukasisch-albanische Herkunft dieser Kathedralen zu vertuschen. Dementsprechend bef\u00fcrchten viele Menschen, dass, wenn die Gelegenheit da ist, Aserbaidschan die armenischen Inschriften dieser Kathedralen in Berg-Karabach bereinigen wird. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium ver\u00f6ffentlichte bereits ein Video von Dadivank. In den Aufnahmen fehlen bezeichnenderweise die Inschriften von Dadivank, die an der Innen- und Au\u00dfenfassade h\u00e4ufig vorkommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6945\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6945\" class=\"wp-image-6945\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild10-400x601.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"376\" \/><p id=\"caption-attachment-6945\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Die \u00e4u\u00dferen Stifterfiguren von Dadivank und diverse Eingravierungen an der Fassade, die in armenischer Schrift angebracht sind.<\/span><\/p><\/div>\n<p>In Dadivank erkl\u00e4ren beispielsweise die Inschriften in mittelalterlichem Armenisch, dass im Jahre 1214 n. Chr. K\u00f6nigin Arzou von Haterk den Bau der Kirche in Gedenken an ihre S\u00f6hne stiftete und ihr Versprechen erf\u00fcllte, da sie selbst beabsichtigt hatten, die Kirche zu bauen, dies jedoch wegen ihres vorzeitigen Todes nicht tun konnten.<\/p>\n<p>Ich Arzou Khatun, gehorsame Dienerin Christi\u2026 Frau von K\u00f6nig Vakhtang, des Herrschers von Haterk und ganz Ober-Chatschen, baute mit gro\u00dfer Hoffnung diese heilige Kathedrale an der Stelle, wo mein Mann und meine S\u00f6hne in Frieden ruhen. Mein erstgeborener Sohn Hasan wurde im Krieg gegen die T\u00fcrken wegen seines christlichen Glaubens zum M\u00e4rtyrer und drei Jahre sp\u00e4ter schloss sich auch mein j\u00fcngerer Sohn Grigor Christus an. Fertiggestellt im Jahre 663 [des armenischen Kalenders].<\/p>\n<p>An der S\u00fcdfassade der Kathedrale sind die beiden S\u00f6hne Hasan und Grigor dargestellt, wie sie das Modell der Kirche pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_6949\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6949\" class=\"wp-image-6949\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild11.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"375\" \/><p id=\"caption-attachment-6949\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Die Stifterfiguren von Gandzasar mit dem armenischen F\u00fcrsten Hasan-Jalal (2015).<\/span><\/p><\/div>\n<p>In Gandzasar, das 1216 zur Grabst\u00e4tte der armenischen F\u00fcrsten von Chatschen wurde, sind die Inschriften \u00fcber die Stiftung\u00a0 im Innern der Kirche in ihren heiligsten R\u00e4umen eingraviert. An der Nordwand erkl\u00e4rt eine Inschrift den Wunsch von F\u00fcrst Hasan-Jalal Dawla den Bau des Klosters Gandzasar in Auftrag zu geben, dessen Bau im Jahre 1206 begann und bis 1238 dauerte. Die Stifterfigur an der Au\u00dfenseite auf der Kuppel zeigt F\u00fcrst Hasan Jalal mit gekreuzten Beinen sitzend mit einem Modell der Kirche &#8211; eine Methode, die am seldschukischen Hof Macht demonstrieren soll. Obwohl F\u00fcrst Hasan Jalal Dawla (Gro\u00dff\u00fcrst der armenischen Dynastie von Chatschen) einen arabisch-inspirierten Namen annahm, wie es damals zeitgem\u00e4\u00df war, wurde er von seinen Zeitgenossen als Armenier bezeichnet: \u201eHasan, der Gro\u00dff\u00fcrst\u00a0 von Chatschen und der Region Arzach, den sie liebenswerterweise Jalal nannten, war ein frommer und gl\u00e4ubiger Mann und von Nationalit\u00e4t ein bescheidener Armenier.\u201c Aserbaidschanische Revisionisten wie B\u00fcnyadow und Mamedova behaupten jedoch, dass Hasan Jalal kein Armenier, sondern ein kaukasischer Albaner gewesen sei.<\/p>\n<p><strong>3. Chatschkare:<\/strong> Das Kreuz, das die Kreuzigung und Erl\u00f6sung Jesu durch Kreuzigung darstellt, ist f\u00fcr die armenischen Christen ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes bei ihren meditativen und frommen Handlungen. Die Armenier erschufen die Chatschkare &#8211; kunstvoll behauene armenische Kreuzsteine, mit einem Kreuz, welches auf einem Sonnen- oder Ewigkeitssymbol ruht. Die Chatschkare stehen auf der UNESCO-Repr\u00e4sentativliste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit (Link: https:\/\/ich.unesco.org\/en\/RL\/armenian-cross-stones-art-symbolism-and-craftsmanship-of-khachkars-00434). Sie pr\u00e4gen sowohl die Landschaft Armeniens als auch Berg-Karabachs. Man findet sie an Stra\u00dfenr\u00e4ndern, auf Berggipfeln und nat\u00fcrlich in Kirchen und Friedh\u00f6fen. Ihre Sockel sind oft von geschmolzenem Wachs der Kerzen bedeckt, die von betenden Christen angez\u00fcndet wurden. Aktuelle Aufnahmen aus Hadrut zeigen das aserbaidschanische Milit\u00e4r beim Zerst\u00f6ren eines Chatschkares (Link: <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Amos9%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am\/2021<\/a>\/01\/12\/azerbaijanis-destroy-armenian-cross-stone-in-occupied-artsakh-village\/&#8220;&gt;https:\/\/en.armradio.<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Amos9%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am\/2021<\/a>\/01\/12\/azerbaijanis-destroy-armenian-cross-stone-in-occupied-artsakh-village\/), einer Region, die Aserbaidschan w\u00e4hrend seines letzten milit\u00e4rischen Vormarsches in seinen Besitz brachte.<\/p>\n<div id=\"attachment_6953\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6953\" class=\"wp-image-6953 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild12-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><p id=\"caption-attachment-6953\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Ein Blick auf die Klosterbauten von Gtichavank aus dem Jahr 2015 mit einem in die Fassade eingebetteten gro\u00dfen Chatschkar<\/span><\/p><\/div>\n<p>Es gibt \u00fcber 4.000 armenische Kulturst\u00e4tten in Berg-Karabach, einschlie\u00dflich 370 Kirchen. Jetzt steht der Gro\u00dfteil dieses kulturellen Erbes unter der De-facto-Kontrolle Aserbaidschans, und trotz der Anwesenheit von russischen Friedenstruppen in einigen Regionen, besteht wenig Hoffnung, dass Aserbaidschan sie nicht zerst\u00f6ren wird. Die meisten Experten sagen voraus, dass der kulturelle Genozid durch Aserbaidschan langsam \u00fcber mehrere Jahre, wenn nicht \u00fcber Jahrzehnte, erfolgen wird, beginnend mit den neueren Kirchen aus dem 17. &#8211; 19. Jahrhundert (wie bei Ghazantschezoz oder Kanach Zham in Shushi), bevor es an die \u00e4lteren, weniger bekannten geht (wie Okhte Drni in Hadrut und Yeghische Arakyal in Madaghis, welche die Grabst\u00e4tte des K\u00f6nigs der kaukasischen Albaner, Vachagan des Frommen, beherbergt), um letztendlich mit den Kronjuwelen des armenischen kulturellen Erbes (wie Dadivank) zu Ende gef\u00fchrt zu werden.<\/p>\n<p>In der Tat verhindert Aserbaidschan sogar vorl\u00e4ufige Bem\u00fchungen zur Sicherung dieses kulturellen Erbes, indem es fortf\u00e4hrt, unabh\u00e4ngigen Experten den Zugang zu verwehren, die den Bestand der St\u00e4tten in Berg-Karabach inventarisieren und den Zustand bewerten wollen. (Das macht es nat\u00fcrlich einfacher, armenische St\u00e4tten zu zerst\u00f6ren und danach zu behaupten, dass diese St\u00e4tten nie existiert h\u00e4tten, wie Aserbaidschan es in seiner Exklave Nachitschewan bereits vorexerziert hat). Am 21. Dezember 2020 gab die UNESCO eine Presseerkl\u00e4rung heraus (Link: <a href=\"https:\/\/en.unesco.org\/news\/unesco-awaiting-azerbaijans-response-regarding-nagorno-karabakh-mission\">https:\/\/en.unesco.org\/news\/unesco-awaiting-azerbaijans-response-regarding-nagorno-karabakh-mission<\/a>), in der sie die mangelnde Kooperation Aserbaidschans beklagte, auf die Forderung der UNESCO einzugehen, nach Berg-Karabach\u00a0 &#8211; gem\u00e4\u00df Entscheidung des zweiten Protokollausschusses der UNESCO (Link: <a href=\"https:\/\/en.unesco.org\/sites\/default\/files\/en_15_com_declaration_haut-karabakh_final_1.pdf\">https:\/\/en.unesco.org\/sites\/default\/files\/en_15_com_declaration_haut-karabakh_final_1.pdf<\/a>) &#8211; eine unabh\u00e4ngige, technische Expertenmission zu entsenden, was Aserbaidschan den Berichten zufolge versucht hatte, zu verhindern.<\/p>\n<div id=\"attachment_6957\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6957\" class=\"wp-image-6957 size-fusion-400\" src=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild13-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><p id=\"caption-attachment-6957\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10px;\">Chatschkare s\u00e4umen das Innere der Klostermauern von Gandzasar (2009).<\/span><\/p><\/div>\n<p>Die christlichen religi\u00f6sen St\u00e4tten von Berg-Karabach nehmen unzweifelhaft Bezug auf eine einzigartige armenische visuelle Tradition. Dennoch ist es unerheblich, zu versuchen, das christliche Erbe ausschlie\u00dflich dem armenischen oder dem kaukasisch-albanischen Erbe zuzuordnen. Lebende Armenier verehren und nutzen diese St\u00e4tten und lebende Armenier werden jetzt von diesen St\u00e4tten ausgeschlossen. Deshalb sind die Aufrufe zur Rettung des armenischen Kulturerbes keine Appelle, die jahrtausendealten Denkm\u00e4ler einer vergangenen indigenen Gruppe als k\u00fcnftige touristische Attraktionen zu bewahren, sie sind eher eine dringende Aufforderung, einen anhaltenden kulturellen V\u00f6lkermord zu stoppen, bei dem Hunderte armenische St\u00e4tten in der heutigen T\u00fcrkei und im S\u00fcdkaukasus bereits ausradiert worden sind. Vorerst jedoch stehen noch die St\u00e4tten in Berg-Karabach nach Hunderten von Jahren der Eroberung und sind ein lebendiges Beispiel des langen christlichen Erbes der Region. Die kulturelle Landschaft von Berg-Karabach stellt daher eine eindrucksvolle Herausforderung f\u00fcr neuzeitliche, konkurrierende Territorialkonflikte dar. Jede ethnische Gruppe, die Berg-Karabach f\u00fcr sich beansprucht, muss zun\u00e4chst ihre kulturellen Bindungen zu diesen Denkm\u00e4lern darlegen. Oder, wie im Falle Aserbaidschans, es muss sie erst darlegen und sie danach ausl\u00f6schen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00dcbersetzung aus dem Amerikanischen<br \/>\nvon Arman Simonian<\/p>\n<p>Quelle:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/hyperallergic.com\/614619\/why-armenian-cultural-heritage-threatens-azerbaijans-claims-to-nagorno-karabakh\/\">https:\/\/hyperallergic.com<\/a><\/p>\n<p>PDF auf Englisch herunterladen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/muenchen.dakd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Why-Armenian-Cultural-Heritage-Threatens-Azerbaijans-Claims-to-Nagorno-Karabakh.pdf\">Why Armenian Cultural Heritage Threatens Azerbaijan\u2019s Claims to Nagorno-Karabakh<\/a><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":6900,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[156],"tags":[],"class_list":["post-6893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-armenien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6893"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6893\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6900"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/muenchen.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}